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Süddeutsche Zeitung 29.05.06

Ein köstliches Stück Volksgeschichte

Bayerische Polizei kommt ins Museum

Die historische Ausstellung soll Ende 2007 in der ehemaligen Ingolstädter Festung eröffnet werden

Von Katja Auer

Ingolstadt - Die bayerische Polizei bekommt ein eigenes Museum. Gerade sind im Ingolstädter Turm Triva im Klenzepark die Handwerker angerückt. Sie bauen elektrische Anlagen ein, renovieren die Fußböden und stellen Vitrinen auf. Ende 2007, vielleicht auch erst Anfang 2008, soll das „Museum der bayerischen Polizei", wie der offizielle Name lautet, eröffnet werden.
Nach außen selbstständig, wird es der Verwaltung des Bayerischen Armeemuseums unterstellt, das im Neuen Schloss und in dem am gegenüberliegenden Ufer der Donau gelegenen Reduit Tilly untergebracht ist. Für Direktor Ernst Aichner ist das, neben der Kostenfrage, eine logische Verbindung, schließlich gehörte die bayerische Gendarmerie von ihrer Gründung im Jahr 1812 bis zum Jahr 1868 zur bayerischen Armee. Deswegen wurden im Armeemuseum - König Ludwig II. gründete es 1879 auf Antrag seines Kriegsministers - immer schon Objekte zur Geschichte der Gendarmerie gesammelt. Das Armeemuseum war zunächst im Zeughaus in München untergebracht, ab 1905 im neu errichteten Monumentalbau am Hofgarten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk zerstört und die Sammlung gelangte 1969 nach Ingolstadt.
Weil die bisher vorhandenen Objekte aus der Gendarmerie-Geschichte aber nicht ausreichen für eine Dauerausstellung, kommt dazu noch die historische Sammlung, die bislang in der Kaserne der Bereitschaftspolizei in Bamberg untergebracht war. „Dort hätten sich Interessierte die Sachen zwar ansehen können, aber man kommt nicht so leicht auf das Kasernengelände", sagt Aichner.
Ausweiskontrollen hätten die meisten Besucher von einem Museumsbesuch abgehalten.
Der Turm Triva, Teil der ehemaligen bayerischen Landesfestung mit einer Fassade von Hofarchitekt Leo von Klenze, wurde von 1988 bis 1993 generalsaniert und wartet seitdem auf seine Bestimmung. Für rund eine Million Euro wird das Erdgeschoss nun zum Polizeimuseum. Dort kommen laut Aichner die „zwei besten Sammlungen zusammen" und zeigen zahlreiche Objekte aus rund 200 Jahren bayerischer Polizeigeschichte. Zu den Schmuckstücken gehört eine Werbefigur aus dem Jahr 1820, die junge Männer für den Polizeidienst begeistern sollte. „Ein köstliches Stück, ein Stück Volksgeschichte", schwärmt Aichner. Aus der gleichen Zeit stammt ein Uhrenbild, das einen berittenen Gendarmen zeigt, der einen Tiroler Händler kontrolliert. Zwar existiert die Uhr dazu nicht mehr, die Abbildung sei dennoch sehenswert. Auf ein Stück aus neuerer Zeit ist Aichner besonders stolz: Einen Wasserwerfer nennt das Museum sein Eigen, der Anfang der 60er Jahre bei den Schwabinger Krawallen und den Protesten in Brokkdorf gegen die Kernenergie im Einsatz war - die Dellen von Steinwürfen sind noch zu sehen. „Die werden bei der Restauration natürlich nicht
ausgebeult", versichert Aichner.
Wer sich nicht bis zur Eröffnung des neuen Museums gedulden will, kann schon von September an eine Sonderausstellung des Armeemuseums über „60 Jahre bayerische Polizei von 1946 bis 2006" im Reduit Tilly besuchen. Aichner nennt sie eine Hauptprobe für das geplante Museum. „Da nn werden wir sehen, wie das bei den Besuchern ankommt", sagt der Museumsdirektor.