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Festungjournal

Wickern, Gerhard, und Eiser, Erhard: Die Bayerische Landesfestung Ingolstadt. Ein Führer durch die Festungsanlagen, hg. v. Förderverein Bayerische Landesfestung e. V. espresso-Verlag Ingolstadt 2008, 40 Seiten, durchgehend farbig illustriert, € 4,50. ISBN: 978-3-9810765-5-4

Endlich liegt ein Büchlein vor, das man sich schon lange gewünscht hat: ein Führer durch die Ingolstädter Festungsanlagen. Das ansprechend gestaltete, handliche Führungsheft stellt die Bauten der einstigen bayerischen Landesfestung in Wort und Bild vor. Zahlreiche Pläne erleichtern die Orientierung bzw. zeigen die Entwicklung der Festung bis ins frühe 20. Jahrhundert. In der zweiseitigen Einleitung wird kurz die Festungsbaugeschichte erläutert, bevor die Überreste in chronologischer Reihenfolge vorgestellt werden. Wickern und Eiser beginnen dabei mit der mittelalterlichen Stadtbefestigung und sparen auch die beiden Herzogsschlösser nicht aus. Den Hauptteil des Führers macht - verständlicher Weise - die Vorstellung der umfangreichen Reste der Befestigungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus, an deren architektonischen Gestaltung bekanntermaßen kein geringerer als Ludwigs l. Hofbaumeister Leo von Klenze beteiligt war. Die Festung Ingolstadt war eben nicht nur ein funktionaler Wehrbau zur Landesverteidigung, sondern zählte auch zu den architektonischen Prestigeobjekten Ludwigs l. In einem kurzen Überblick thematisieren die Autoren die Entwicklung der drei Ingolstädter Befestigungsringe im 19. Jahrhundert und wenden sich dann den einzelnen Teilen der klassizistischen Stadtumwallung zu. Als letztes erhaltenes Vorwerk des äußeren Fortgürtels aus der Zeit nach 1877 wird Fort VI Prinz Karl vorgestellt. Außerdem thematisiert der Führer noch diverse Bauten der militärischen Infrastruktur wie Zeughaus, Kriegsbäckerei, Kasernen und Kriegsspital. Ein Glossar der Fachbegriffe rundet das Heft ab. Was allerdings leider fehlt ist eine - wenigstens kurze - Literaturliste zu den wichtigsten Publikationen.

Etwas merkwürdig ist das Kapitel zu den älteren Befestigungsanlagen in Ingolstadt. Der beigefügte Plan, der die Festungsentwicklung bis zur Schleifung 1800 in verschiedenen Farben darstellt, ist recht ungenau. Zwar wird im Text die „bastionäre" Befestigung des 16. Jahrhunderts erwähnt, im Plan erscheint sie aber nicht eigens gekennzeichnet, sondern wird unter „Stadtbefestigung im 18. Jahrh." subsumiert. Dabei bildete die Umwallung aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts den Kern der frühneuzeitlichen Landesfestung und stellte eine der modernsten und größten Befestigungsanlagen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation dar. Es handelte sich allerdings um keine Bastionen, sondern die Befestigung bestand aus Erdrondellen, Streichwehren, krenelierten Mauern und Geschütztürmen. Bastionär verstärkt wurden diese Festungswerke erst im 17. Jahrhundert nach niederländischer Manier. Kein Wort auch über den Grafen Reinhart von Solms, den so bedeutenden Festungsbaumeister, der sogar am Neuen Kreuztor in Form eines Standbildes in Erscheinung tritt (worauf der Führer ebenfalls nicht verweist), oder andere Baumeister wie Georg Stern, die den ersten Ausbau Ingolstadts im 16. Jahrhundert maßgeblich bestimmten. Die vorgestellten erhaltenen „Bollwerke der bastionären Festung" datieren übrigens überwiegend genau in diese Zeit und gehören nicht ins 17. und 18. Jahrhundert, wie der Text behauptet. Man würde sich überdies bei der Vorstellung der einzelnen Festungsabschnitte und Werke des 19. Jahrhunderts Baudaten zur genaueren Orientierung wünschen, auch wenn klar ist, dass diese Anlagen in die Zeit König Ludwigs l. gehören. Vielleicht können diese Mängel ja in einer zweiten Auflage des ansonsten recht gelungenen und sehr schönen Führers behoben werden.
Christian Ottersbach