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Entwicklung - Wiederaufstieg



Die Stadt und die kgl.bayer. Armee

Zäh und nachhaltig hält sich in der „Schanz" die Legende, der Festungsbau des 19. Jahrhunderts hätte die Stadt in ihrer Entwicklung behindert. Einen Beweis dafür hat noch niemand erbracht. Betrachtet man den Stadtplan von 1850, dann sind noch viele freie Flächen zu finden, und bis jetzt gibt es auch keinen Hinweis, dass die Armee eine Industriegründung oder -ansiedlung in der „Schanz" verhindert hätte. Ein derartiges Eingreifen wäre auch gar nicht im Sinne des Militärs gewesen, denn ein solcher Betrieb bot im Verteidigungsfall geschulte Handwerker und unter Umständen wichtige Maschinen. Man wird diesem Problem aber zweifellos noch genauer nachgehen müssen, wobei dann aber auch der Blick auf andere vergleichbare bayerische Städte zu werfen ist. In diesem Zusammenhang muss schließlich die Frage gestellt werden, ob Industrialisierung nicht auch etwas mit der Mentalität der Bevölkerung zu tun hat.

Nach der Katastrophe des Jahres 1800 verdankte Ingolstadt seinen „Wiederaufstieg" in hohem Maße der Königlich Bayerischen Armee, welche bis zum Ende der Monarchie erhebliche Mittel für Festung und Garnison ausgab. Dass dies bis in die Gegenwart hineinwirkt, sei an wenigen Beispielen gezeigt.

1. Es war ein sofort verfügbares Gelände aus dem Besitz der Bayerischen Armee, auf welchem zahlreiche Kasernenbauten der Bundeswehr entstanden und Ingolstadt wieder eine bedeutende Garnison wurde, weshalb heute noch jedes Jahr erhebliche Mittel in die Stadt fließen.

2. Die technischen Institute haben den Grundstock für die Metallindustrie in Ingolstadt gelegt, auch die Pulverfabrik lebt in veränderter Form weiter.

3. Dass der Hauptbahnhof näher an die Stadt herangerückt wurde, war sehr wichtig, denn ein Bau in Oberstimm hätte für die Stadt ungute Folgen haben können. Die Bahn wurde auch ein bedeutender Arbeitgeber.

4. Die strengen Rayonbestimmungen, über die immer wieder geklagt wurde, haben der Stadt einen unter den deutschen Festungsstädten einmaligen Grüngürtel hinterlassen, dessen hervorragende Bedeutung man darüber hinaus im Zusammenhang mit dem dazugehörigen Gelände der früheren Hauptumwallung und den noch erhaltenen Werken sehen muss.

5. Die Königlich Bayerische Armee existierte schon lange nicht mehr, als ihre in Ingolstadt noch vorhandenen Gebäude und Grundstücke die wichtigste Industrieansiedlung nach dem 2.Weltkrieg begünstigten und damit Regensburg ausstachen. War es auch damals noch ein anderer Firmenname, so kann man doch sagen, dass die ersten unternehmerischen Entscheidungen für den künftigen Aufstieg von Audi in einem ehemaligen Militärgebäude getroffen wurden. Auf dem großen Exerzierplatz der Garnison wiederum konnte sich die Firma in Jahrzehnten hervorragend entwickeln.

6. Durch die ehemaligen Festungswerke und Militärgebäude hat Ingolstadt auch ein unverwechselbares Gesicht bekommen, was in einer Zeit, da die Architektur in vielen Städten immer austauschbarer erscheint, als Vorzug zu betrachten ist. War nach dem Krieg noch lange für einen völligen Abbruch der Festungswerk und Militärbauten plädiert worden, so kam es zum Umdenken, als der bereits begonnene Abbruch der staatlichen Festungswerke am Brückenkopf eingestellt wurde. Gab es auch noch schmerzliche Verluste, so erkannte man doch in den letzten dreißig Jahren in zunehmenden Maße den Wert dieser Architektur. Freistaat Bayern und Stadt suchten für die meisten Bauten neue Verwendungen und begannen dann mit aufwendigen Restaurierungen, so daß In-golstadt ein großes militärgeschichtliches Freilichtmuseum bleiben wird. Was hier denkmalpflegerisch geschah, ist höchst respektabel, das Ergebnis erscheint auch außerhalb Deutschlands als vorzeigbar.