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Pläne zum Wiederaufbau



Bereits 1804 gab es erste Überlegungen zur Errichtung einer neuen Festung Ingolstadt, und schon ein Jahr später erlebte Bayern den ersten Krieg, in dem sich die Armee nicht auf eine große Festung stützen konnte. Im selben Jahr 1805 fiel dann eine nicht unbedeutende Vorentscheidung: Es wurde verfügt, dass in Ingolstadt jeder Verkauf von Grundstücken, auch Abbruche von Festungswerken, sowie jede weitere Auffüllung von Gräben zu unterbleiben hätten. 1806 folgte dann der Beschluss, dass die Stadt wieder zur Hauptfestung des Landes ausgebaut werden sollte.

Dass diese Entscheidung aber auf sich warten ließ, hatte zwei Gründe. Zum einen wurde die Lage der bayerischen Landesfestung jetzt auch in Paris entschieden, denn Napoleon l. - obwohl mit einer Habsburgerin verheiratet - kalkulierte sehr wohl künftige Kriege mit Österreich ein, und der Korse, das war in München bekannt, favorisierte Regensburg oder Passau. Beide Plätze wären offensiv gegen Österreich gerichtet gewesen. Dem baldigen Wiederaufbau einer Landesfestung standen jedoch die Realitäten entgegen, denn war auch die Finanzpolitik in Bayern unter seinem ersten König sehr viel solider geworden, so sind allein zwischen 1805 und 1813 vier Kriege an der Seite Napoleons l. zu finanzieren gewesen.

Bayern war aber entschlossen, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Gerade durch die Napoleonischen Kriege war ein neues Bayern entstanden, wodurch - früher auch eine Grenzfestung – nunmehr fast in die geographische Mitte von Bayern gerückt war. Nicht zuletzt die jüngsten Kriege hatten scheinbar bewiesen, dass Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Österreich in das politische Kalkül Bayerns einzubeziehen waren. Es war der damals sehr angesehene Oberst de Colonge, welcher erstmals die zu bauende Festung Ingolstadt als „Zentralwaffenplatz" Bayerns charakterisierte. In der Armee setzte sich auch schon bald die Überzeugung durch, dass die bayerischen Streitkräfte dem künftigen Angreifer gestützt auf die Festung Ingolstadt würden standhalten können, bis die Hilfe des Verbündeten eintraf. War also Österreich der Gegner, dann würde man aushalten, bis französische Truppen eintrafen, drohte ein Angriff der französischen Armee, dann würde man erfolgreich Widerstand leisten, bis die Hilfe aus Österreich eintraf. In beiden Fällen rechnete man aber mit mehreren Wochen bis zum Eintreffen einer feindlichen Armee vor Ingolstadt, was genügend Zeit gab, die Festung in den optimalen Zustand der Verteidigungsfähigkeit zu versetzen. Das unmittelbar an der Grenze gelegene Passau beispielsweise hätte man schon im Frieden auf einem sehr hohen Stand der Kriegsbereitschaft halten müssen, was die Finanzen Bayerns in hohem Maße belasten musste.

König Max I. Joseph, der eine militärische Ausbildung genossen hatte und daher in solchen Fragen durchaus mitreden konnte, entschied sich 1813 für Ingolstadt, es sollte keine Rücksicht auf die Wünsche des Kaisers in Paris genommen werden. Quälenden Auseinandersetzungen mit Napoleon I. entging man dadurch, dass Bayern - nicht zuletzt unter dem Eindruck der Katastrophe in Russland im Jahre 1812 - in die Allianz der Gegner Frankreichs übertrat.

Die Kriege von 1813 bis 1815, die zum Zusammenbruch der Napoleonischen Vorherrschaft in Deutschland führten, belasteten noch einmal die Finanzen Bayerns. Wurde auch 1817 der Gedanke an eine neue Festung Ingolstadt wieder aufgegriffen, so musste bis zum Tode von König Max I. Joseph der Konsolidierung des bayerischen Staatshaushaltes Vorrang eingeräumt werden.