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Ingolstadt im Spanischen Erbfolgekrieg



Nachdem Kurfürst Max Emanuel von Bayern seine Truppen zunächst sehr erfolgreich geführt hatte, erkannten die Gegner, dass man Frankreich am besten bekämpfen konnte, wenn man dessen wichtigsten Verbündeten ausschaltete. Daher strebten Marlborough und Prinz Eugen die Vereinigung ihrer Heere an, um das französische und bayerische Heer in Süddeutschland zu schlagen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Plans war die Einnahme der Festung Ingolstadt. Diese Aufgabe wurde dem Markgrafen Ludwig von Baden, dem legendären „Türkenlouis", übertragen, dessen Truppen am 6. und 7. August 1704 eine lockere Einschließung der Festung bewerkstelligten. Am 11. August traf die Hauptmacht des Gegners ein, und am 15. wurden die ersten Laufgräben für den Angriff eröffnet. Offenbar herrschte damals eine relativ hohe Trockenheit, denn Ziel des Gegners waren Frauen- und Rauchloch-Bastion, also die Südwestfront, die sonst wegen des nassen Bodens und wegen der Altarme der Donau als besonders geschützt galt. Noch am gleichen Tag wurden auch gegen das Hornwerk am Brückenkopf Laufgräben eröffnet.
Der Sieg der Gegner bei Hochstädt veränderte die Lage schlagartig, da sich Max Emanuel in Bayern nicht mehr halten konnte und er den Krieg mit den ihm verbliebenen Truppen in den Niederlanden fortsetzen musste. Marlborough und Prinz Eugen durften daher erwarten, dass ihnen Bayern und damit auch die Landesfestung Ingolstadt wie eine reife Frucht in den Schoß fallen würde.
Am 18. August 1704 wurde daher die Belagerung aufgehoben, weil man die Truppen benötigte, um Ulm einzunehmen. Um das Gebiet des Fränkischen Kreises zu schützen, wurde ein Korps vor Ingolstadt belassen, welches die Verproviantierung der Festung weiterhin empfindlich störte.
Die bayerischen Generäle Weickel und Maffei sammelten daher alle noch verfügbaren Truppen, rückten nach Ingolstadt und griffen am 16. September in Richtung Gaimersheim an. Der gegnerische Führer, Generalwachtmeister Graf Aufseß, hatte die Gefahr erkannt und war im Begriff, sich zurückzuziehen. Das geschah aber nicht schnell genug, die bayerische Kavallerie holte die Gegner im Altmühltal ein. Die Verteidigung der Brücke von Pfünz misslang, sodass die Reichstruppen eine schwere Niederlage erlitten. Es war der letzte militärische Erfolg, den bayerische Truppen in diesem Krieg im heimatlichen Bereich erfochten.
Der Vertrag von llbesheim vom 7. November 1704 erfüllte die Hoffnungen der Gegner: Mit dem Kurfürstentum Bayern hatte sich auch die Festung Ingolstadt auszuliefern. Bereits am 12. November erschien ein gegnerisches Korps und forderte die Übergabe des Platzes. Da brach - vermutlich gefördert durch patriotische Kräfte - unter den bayerischen Soldaten ein Aufstand los, wobei es in erster Linie um rückständigen Sold ging. Man mag es auch als einen ersten Hinweis auf einen im Entstehen begriffenen bayerischen Patriotismus betrachten, dass auch ein Eid abgelehnt wurde, nicht mehr gegen die Feinde zu kämpfen. Eine Anweisung der bedrängten Kurfürstin wie ein gemeinsam von Magistrat und Universität aufgebrachter Vorschuss führten dann am 7. Dezember 1704 zum Ausmarsch der Besatzung.
Ab diesem Zeitpunkt hatte auch Ingolstadt wie ganz Bayern unter der kaiserlichen Besatzung schwer zu leiden. Erst nach dem Friedensschluss wurde die Festung am 25. Januar 1715 wieder an bayerische Truppen übergeben.