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Das Ende der alten Festung


Die bayerische Armee erreichte unter Kurfürst Karl Theodor den absoluten Tiefpunkt in ihrer Geschichte. Es war gerade der fehlende militärische Sachverstand des Landesherrn, der Bayern mehr denn je zum Spielball fremder Mächte degradierte.

Dass sich die Festung Ingolstadt in einem unglaublich verlotterten Zustand befand, war nicht allein die Schuld Karl Theodors sondern auch seiner Vorgänger. Dabei trifft dieser Vorwurf Kurfürst Max III. Joseph noch am wenigsten, denn er musste nach der Regierungsübernahme bis zum Tode in erster Linie darauf bedacht sein, die durch die ehrgeizige Politik seines Vaters wie seines Großvaters aufgehäuften Schulden zu tilgen. Im Grunde genommen war seit der Verstärkung unter Kurfürst Ferdinand Maria für die wichtigste Landesfestung nichts mehr getan und nur mit unzureichenden Mitteln „Flickwerk" betrieben worden.

Typisch für die Politik Karl Theodors war ein Befehl vom 30. Juli 1796 an den Statthalter von Ingolstadt, in welchem diesem - in verklausulierter Form - die Übergabe der Festung an kaiserliche Truppen gestattet wurde. Vergessen die Zeiten, in denen es die vornehmste Aufgabe des Statthalters war, den Platz unter allen Umständen zu halten!

Bereits ab dem 10. August zogen kaiserliche Truppen ein, auf Befehl des Kurfürsten hatte die bayerische Besatzung abzuziehen. Bis zum Dezember 1797 betrieben nun die kaiserlichen Kommandanten mit großer Energie die Wiederherstellung der vollen Verteidigungsfähigkeit der Festung Ingolstadt, wobei durchschnittlich 500, gegen Ende der Arbeiten sogar über 1000 Arbeitskräfte gestellt werden mussten.

Als Folge des Friedens von Campo Formio räumten die kaiserlichen Truppen Ende 1797 die Stadt, sie wurden durch fränkische Truppen im kaiserlichen Sold ersetzt. Die Arbeiten zur Verstärkung der Festung wurden eingestellt und erst ab März 1799 wieder aufgenommen, wobei durchschnittlich 1600 Arbeitskräfte aufzubieten waren. Ende Oktober 1799 war die Festung Ingolstadt im wesentlichen wieder verteidigungsfähig, verbliebene Schwachpunkte hätten im Fall einer drohenden Belagerung noch beseitigt werden können.

Anfang Juli 1799 erfolgte die Einschließung durch französische Truppen, die durch den wenig später geschlossenen Waffenstillstand nicht aufgehoben wurde. Zu Kämpfen kam es nicht, durch die Konvention von Hohenlinden mussten die kaiserlichen Truppen aber am 23. September 1799 abmarschieren und den Franzosen die Festung übergeben. Es war die Zeit, in der von französischer Seite die planmäßige Entfestigung Süddeutschlands betrieben wurde, um hier freie Hand zu bekommen. Sollte Napoleon l. zu selbstkritischer Überlegung fähig gewesen sein, dann hat er gut fünf Jahre später erkennen müssen, dass er hier einen Fehler begangen hatte, denn schon im Krieg von 1805 war er mit den Süddeutschen verbündet und eine intakte Festung Ingolstadt hätte ihm auch 1809 den Feldzug gegen Österreich gewiss erleichtert.

So aber wurde der Befehl ausgeführt und zwischen November 1799 und März 1801 ist die Zerstörung der Festung Ingolstadt durchgeführt worden, wozu durchschnittlich 3200 einheimische Arbeiter zu stellen waren. Die meisten Arbeiten wurden im Jahre 1800 ausgeführt, dem großen Katastrophenjahr von Ingolstadt, weil dieses neben der Festung sein zweites wirtschaftliches „Standbein" - die Universität - verlor.