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Die polygonale Befestigung

Die ab 1828 neu errichtete Landesfestung kann in drei nachein- ander gebaute Ringe eingeteilt werden:
Der innere Ring - Die Hauptumwallung oder Stadtumwallung
Der mittlere Ring - Der Vorwerke-Gürtel
Der äußere Ring - Der Fortgürtel
Die Abmessungen der Festungsringe haben sich im 19. Jahrhundert gewaltig vergrößert. Während die bürgerliche Stadt die gleiche Größe behielt und die neue Haupt(Stadt)umwallung nur etwas größer im Durchmesser war als die geschleifte „Renaissance-Festung“, so hatte der Vorwerke-Gürtel bereits etwa den dreifachen Durchmesser und der Fort-Gürtel mit 15 km den zehnfachen Durchmesser.

Befestigungs-Ring-Plan

Charakterisierung der Ingolstädter Befestigung

Jahrhundertelang hatte die bastionäre Befestigung in Europa dominiert, obwohl man erkannt hatte, dass die niedere Grabenbestreichung problematisch und die Bildung starker Abwehrbatterien auf den vielfach gebrochenen Wällen nicht möglich war. Nach den napoleonischen Kriegen sind es gerade preußische und österreichische Ingenieuroffiziere gewesen, die der polygonalen Befestigung zum Durchbruch verhalfen. Für diese sollten die Möglichkeit von starken Geschützaufstellungen, gedeckte Werke zur niederen Bestreichung der Gräben sowie die abschnittweise Verteidigung kennzeichnend werden.
Bayern hat sich zweifellos an preußischen Vorbildern orientiert, aber Becker gelang gerade mit den regelmäßigen Fronten vor Ingolstadt eine sehr eigenständige Entwicklung. Dies sollte sich zeigen, als mit Aufkommen der gezogenen Geschütze viele bestehende Werke bedroht waren, dagegen die Ingolstädter Kaponnieren durch Feuer aus den neuen Geschützen nicht gefährdet waren. Man kann Ingolstadt als eine von der „Neupreußischen Befestigung" beeinflusste Polygonalfestung charakterisieren.
Weitere Bemühungen um den Ausbau --> weiterlesen
Ingolstadt war bis in die napoleonische Zeit hinein mit seiner ältesten Universität Bayerns nicht nur ein geistiges und kulturelles Zentrum des Kurfürstentums, auch seine Befestigung erwies sich als starkes bayerisches Bollwerk, uneinnehmbar sogar für Schwedens König Gustav Adolf. Später allerdings fiel die Festung Ingolstadt der französischen Armee kampflos in die Hände und wurde auf Befehl Napoleons geschleift.

Das nun entstandene Königreich Bayern suchte bereits unter König Max I. einen zentralen Waffenplatz und gesicherte Sammel- und Lagerstätte für die bayerische Armee vor zukünftigen Feldzügen und ein geschütztes Lager für die Regeneration seiner Armee nach „unglücklich verlaufenen Feldzügen". Jedoch erst der Thronfolger, König Ludwig I., war in der finanziellen Lage, seinen Offizieren den Befehl zum Entwurf einer genügend großen Lagerfestung geben zu können.

Bau der Festung nach Vorgaben König LudwigsI.

Die Arbeiten zum Bau der Festung Ingolstadt hatten im Jahre 1826 mit der Rektifikation des Donaulaufes nach Mehring hin begonnen; Grundsteine legte König Ludwig I. am 24. August 1828 in der Tilly-Veste, das ist im Brückenkopf und Feldmarschall Fürst Wrede am 25. August 1834 in der Kaponniere der Fronte Raglovich auf dem linken Donauufer (mehr lesen) .

Im August 1847 konnten die drei neu erbauten Festungstore in der geschlossenen Hauptumwallung links der Donau eröffnet werden und der Festungsbaudirektor beurteilte die Festung Ingolstadt im Jahre 1849 als „sturmfrei und verteidigungsfähig." Ingolstadt war aber noch nicht die Festung I. Ranges und Lagerfestung an dem strategisch wichtigen Ort, welche König Ludwig I. für Bayern bauen wollte, denn als sicherer Sammelplatz der bayerischen Armee vor einem Feldzug und als Deckung bietender Lagerplatz nach einem Feldzug standen nur die Esplanaden beidseits der Donau zur Verfügung. Die geplanten Vorfesten, welche den Beginn des Artilleriekampfes auf so große Entfernung erzwingen sollten, dass die Hauptumwallung und insbesondere die dahinter liegende Stadt mit ihren zivilen und militärischen Einrichtungen außerhalb der größtmöglichen Schussweite lagen, die gab es noch nicht. Ursache waren der Geldmangel des bayerischen Staates und der fehlende außenpolitische Druck.
Den entscheidenden Anstoß zum Bau eines Gürtels von Vorfesten gab der drohende innerdeutsche Krieg im Jahre 1866, zu dessen Höhepunkt im August jenes Jahres ein Ring aus passageren Feldschanzen, Feldwerken und Hauptfeldwerken fertiggestellt war. Nun sei Ingolstadt eine „Festung I.Ranges", stellte der Generalquartiermeister der kgl. bayer. Armee, Generalmajor Max Graf von Bothmer, im September 1868 fest.
Noch im gleichen Jahr 1868 fing man an, als Erstes die Kehlkasernen der Hauptfeldwerke linken Ufers, nämlich der Vorwerke Haslang, Max Emanuel und Wrede in permanenter Bauweise, also in Stein- und Ziegel-Mauerwerk, auszuführen. Diese drei Festungswerke mit dem Charakter von Artilleriestellungen konnten samt ihrer zuletzt noch eingebauten Konterminensysteme unter den Glacis in der ersten Novemberwoche des Jahres 1872 als „in allen Teilen fertig" dem Festungs-Gouvernement übergeben werden.

Eine solche Festung bot zwischen einem
äußeren und meistens einem inneren Ring
von Festungswerken den geforderten Lagerplatz für Menschen, Waffen, Transportmittel, Werkstätten und Nahrung.

In Ingolstadt gibt es einen älteren und kleineren äusseren Ring, den Vorwerkegürtel (provisorisch gebaut 1866 zur Verstärkung der Festung im Preussisch-Östereichischen Krieg) und den jüngeren und größeren Fortgürtel (gebaut ab 1877).

Beide hatten die gleiche Funktion, nämlich zwischen dem durch sie gebildeten Ringgürtel und der Stadtumwallung einen sicheren Lagerplatz für das Bayerische Heer zu bieten.

Die Befestigungsringe

Einen Festungsentwurf, der den Vorstellungen König Ludwigs I. entsprach, legte Ingenieur-Oberst Michael von Streiter vor. weiter lesen

weitere Themen

Zusätzlich zu den reinen Verteidigungsbauten wurden von den Militärbehörden auch zahlreiche Versorgungs- und Wohnbauten errichtet. weiter lesen