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Feld- Vorwerke

Allen Verantwortlichen war bewusst, dass Ingolstadt ohne starke Vorwerke eine unfertige Festung war. Lebendig war auch der Gedanke des verschanzten Lagers. Zwar wollte man einen künftigen Krieg mit der Feldarmee durchaus offensiv führen, aber dabei musste natürlich auch eine Niederlage einkalkuliert werden. In diesem Falle sollten sich die geschlagenen Truppen in den Schutz eines durch starke Forts verstärkten, an die Festung Ingolstadt angelehnten Lagers zurückziehen können. Man glaubte, auch nach einer Niederlage noch so stark zu sein, dass der Gegner einen Angriff gegen die Festungswerke nur von einem Ufer aus einleiten konnte, eine völlige Einnahme der Stadt nicht möglich sei. Dabei hatte man sicher auch die Erfahrungen von 1632 vor Augen.
1866 wurde die Gefahr eines Krieges zwischen Preußen und den Süddeutschen immer deutlicher. Man gab sich in Bayern offenbar keinen Illusionen mehr hin, denn im Ingolstädter Zeughaus wurde ab dem 18. Mai auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet.
Allerdings schien man noch längere Zeit auf einen Erfolg der gegen Norden operierenden bayerischen Feldarmee zu hoffen, denn erst fünf Tage nach Kriegsbeginn, am 20. Juni 1866, erging der Befehl zu ersten wichtigen Armierungsarbeiten in Ingolstadt.
Schon am 11. Mai war die Errichtung von Feldwerken angeordnet worden, doch richtigen Druck machte das Kriegsministerium erst, als am 3.Juli in Böhmen die (entscheidende) Schlacht bei Königgrätz geschlagen war und die bayerische Feldarmee ihre ersten bitteren Niederlagen erlitten hatte.
Man war schon in der Erntezeit, und so bekam man nicht genügend zivile Arbeiter. Am 24. Juli waren es gerade 1800, obwohl 5000 für notwendig erachtet worden waren. Daher erklärte die Kommandantschaft auf Anordnung des Ministeriums den Kriegszustand, wodurch Zwangsmaßnahmen zur Bei- treibung von zivilen Arbeitern möglich waren.

Deren guten Willen wollte man aber nicht über Gebühr strapazieren, und so ist volle Bezahlung zugesichert wor- den, obwohl man dazu im Kriegszustand nicht verpflich- tet gewesen wäre. Allerdings ist bei diesem Masseneinsatz bis zur Einstellung der Armierungsarbeiten am 23. August die Zahl von 5000 Arbeitern nur an wenigen Tagen annähernd erreicht worden.

Für die Verproviantierung der Festung stellte das Kriegs- ministerium am 12. Juli die gewaltige Summe von 300 000 Gulden bereit. Ein derart schnelles Ende der Feindseligkeiten ist aber offenbar nicht erwartet worden und so war es nach dem Friedensschluss am 22. August 1866 unmöglich, die aufgehäuften Vorräte aufzu- brauchen, vielmehr ist die Kommandantschaft zu Ver- käufen mit Verlust gezwungen gewesen.
Der Krieg von 1866 brachte die Erkenntnis, wie untragbar es war, dass die wichtigste rechtsrheinische Festung Bayerns noch immer nicht an das Eisenbahnnetz ange- schlossen war, obwohl diese Notwendigkeit schon früh von der Armee erkannt worden ist. Vor allem Kriegsmaterial sollte nach Ingolstadt in Sicherheit gebracht werden, und da gab es nur die Möglichkeit, einen Teil der Transporte von Donauwörth und Augsburg aus mit Flößen zu bewerkstelligen!
Gerade die Bestände der Einheiten und Behörden im nördlichen Bayern mussten vor den in das Land eindringenden preußischen Truppen in Sicherheit gebracht werden und da zeigte sich sehr schnell, dass hierfür die Lagerkapazitäten der Festung Ingolstadt nicht ausreichten. Für die Lagerung der großen Vorräte des Hauptdepots Nürnberg kam man nicht umhin, die Garnisonskirche (die obere Franziskanerkirche) zu verwenden.