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Die neuen Werke der bastionären Befestigung

Esel-Bastion
Vor der alten Donau-Bastei befand sich seit dem 30 -jährigen Krieg eine Schanze mit unregelmäßiger Form, welche nunmehr permanent ausgebaut wurde. Sie lehnte sich an das ältere Werk an, so dass letzteres den Charakter eines Kavaliers erhielt und somit den Namen „Esel-Kavalier" bekam. So ist es auch zu erklären, dass die relativ kleine Bastion auch „junger Esel" genannt wurde. Durch die Verbindung mit dem Kavalier war die Bastion im Rücken nicht durch einen Wassergraben geschützt.

Feldkirchner-Ravelin
Da das äußere Feldkirchner Tor nunmehr durch den Wall östlich der Roßmühle geführt wurde, war die Errichtung eines neuen Werkes notwendig, welches von seiner Grundform her eher als eine Flesche zu bezeichnen war. Wie eine kleine Insel war das Erdwerk völlig von Wassergräben umgeben, die Verbindung zwischen Stadt und Glacis wurde durch zwei Brücken hergestellt.

Eiskeller-Bastion
Auch das Bollwerk vor dem Feldkirchner Tor bekam einen neuen Namen. Das Erdwerk erhielt ferner eine unregelmäßige Form, denn es sollte das Feldkirchner-Ravelin unterstützen und es - falls dieses verloren ging - auch unter Feuer nehmen können. Ähnlich wie bei der Esel-Bastion bekam die Feldkirchner-Tor-Bastion den Charakter eines Kavaliers und hieß fortan Eiskeller-Kavalier. Allerdings waren beide Werke durch den nassen Graben getrennt.

Sebastians-Bastion
Hier befand sich der einzige Eckpunkt der Festung, den Graf Solms nicht durch eine Bastion gesichert hatte. Das Werk in der Form einer rückwärts offenen Lünette erhielt seinen Namen von der nicht weit davon entfernten Kirche St. Sebastian.

Ziegel-Bastion
Hier war während des 30-jährigen Krieges vor der Ziegel-Bastei ein Erdwerk errichtet worden, welches nun zu einer Bastion in Form einer Lünette umgebaut wurde. Eskarpe und Kehle waren gemauert. Es kennzeichnet die veränderte Funktion, dass nunmehr die alte Bastei „Ziegel-Kavalier" hieß.

Lange Kurtinen-Bastion (auch Harder-Ravelin)
Das bislang ungeschützte, relativ lange Teilstück des Hauptwalles zwischen Ziegel-und Harder-Bastei erhielt nun einen zusätzlichen Schutz. Hier wurde eine Bastion errichtet, ebenfalls in Form einer rückwärts offenen Lünette.

Harder-Bastion
Da das Gelände im Norden und Nordwesten einen gegnerischen Angriff begünstigte, entschloss sich Heidemann hier zu einer radikalen Veränderung, welche die Verteidigungsfähigkeit in diesem Abschnitt beträchtlich erhöhte, aber besonders den Landwirten des benachbarten Stadtviertels keine Freude bereitete. Das alte Hardertor wurde zugemauert, der äußere Torturm abgebrochen, die Bastei wurde in eine Bastion mit dem Charakter eines Kavaliers umfunktioniert und hieß nun „Harder-Kavalier". Damit verloren die Bewohner des nördlichen Stadtteiles einen bequemen Ausgang und mussten den Umweg über Kreuz- oder Feldkirchner-Tor machen, was besonders für Landwirte in der Erntezeit ein Quell permanenten Ärgers gewesen sein dürfte. Zahlreiche Bitten um Öffnung des Hardertores blieben ohne Erfolg, für das Militär hatte die Sicherung der Festung hohe Priorität. Das frühere Bollwerk wurde in eine relativ kleine Bastion in Form eines unregelmäßigen Ravelins mit gemauerter Eskarpe und Kehle umgewandelt. Durch die Schließung des Tores hatte sich die Situation für die Verteidiger offenbar so verbessert, dass Heidemann auf die Errichtung einer größeren Bastion verzichtete.

Kugel-Bastion
Auch die Kugelbastei wurde zum Kugel-Kavalier. Davor entstand eine Bastion in Form einer unregelmäßigen Lünette.

Kreuztor-Bastion
Hier war die empfindlichste Stelle der Festung, weil sich hier nicht nur ein Tor befand, sondern auch in unmittelbarer Nachbarschaft die Schutter in die Stadt eingeleitet wurde. Es befanden sich hier also zwei Öffnungen im Wall, noch dazu in einem Abschnitt, welcher einen Angriff des Gegners begünstigte.
Bei der Schutter wollte man nichts dem Zufall überlassen. So erging der Befehl, bei einer drohenden Belagerung den kleinen Fluss abzuleiten und das Bett zwischen der letzten Mühle und dem Kreuztor aufzufüllen.
Aus dem Rundel wurde der „Kreuztor-Kavalier", davor entstand die neue unregelmäßige Bastion, welche einer Lünette sehr ähnlich war. Allerdings verband man das Werk unmittelbar mit der südlich davon neu errichteten Kreuztor-Kontergarde, welche dem besonderen Schutz des Schutter-Einlaufes diente für den Fall, dass diese nicht mehr rechtzeitig abgeleitet werden konnte, und die darüber hinaus die Verteidigungsfähigkeit in diesem Abschnitterhöhte.
Lagen Kreuztor-Bastion und Ziegel-Bastion ohnehin schon keine 100 Meter von einander entfernt, so entstand zwischen ihnen zur weiteren Absicherung dieser gefährdeten Stelle die sogenannte „Kreuztor-Lünette". Dieser Name ist etwas irreführend. Es handelte sich um einen Wall, welcher von der nördlichen Flanke der Kreuztor-Bastion bis zum nassen Graben vor der südlichen Flanke der Kugel-Bastion reichte und durch den die Straße in Richtung Glacis führte.

Frauen-Bastion
Sie ist als Erdwerk in Form einer Lünette errichtet. Aus dem Rundel beim Frauenhaus wurde der Frauen-Kavalier.

Rauchloch-Bastion
Das Werk wurde nicht unmittelbar in dei Front vor der zu m Laboratorium umfunktionierten Streichwehr errichtet, sondern westlich davon. Auch hier handelte es sich um ein Erdwerk in Form einer Lünette. Eine Brücke an der nordwestlichen Flanke stellte die Verbindung zu einer kleinen Kontergarde her.

Münzberg-Bastion
Auch dieses Erdwerk in Form einer Lünette wurde nicht unmittelbar vor dem früheren Rundel am Roten Turm und nunmehrigen Münzberg-Kavalier errichtet, sondern nach Westen versetzt. Vor dem letzteren entstand die sogenannte „Münzberg-Lünette", die aber besser als eine unregelmäßige Flesche zu charakterisieren wäre. Sie sicherte gleichermaßen Kavalier, Bastion sowie das beim Roten Turm angelegte Wehr, das bei Niedrig-Wasser der Donau eine zu starke Entwässerung der Gräben verhindern sollte. Zwischen Münzberg- und Rauchloch-Bastion lag eine Kontergarde, welche mit zwei Brücken eine Verbindung der beiden Werke herstellte.

Donaufront
Schon während des 30 -jährigen Krieges war nordöstlich vom Donautor ein Erdwall errichtet worden, welcher südlich der Reiter-Kaserne (östlich vom Herzogskasten gelegen) an die mittelalterliche Stadtmauer stieß und den Namen „Tränktor-Kontergarde" erhielt. Durch diesen Wall führte auch ein kleines Tor zur Donau. Nun gehörte es zu den beim schwedischen Angriff von 1632 gewonnenen Erfahrungen, dass Geschützfeuer vom nördlichen Ufer der Donau die Verteidigung des Brückenkopfes nachhaltig unterstützen und damit auch verhindern konnte, dass der Angreifer seine numerische Überlegenheit gegen die Verteidiger des Brückenkopfes voll entwickelte. Ein Angriff gegen die Flanken des letzteren wäre einem verheerendem Artilleriefeuer vom Nordufer ausgesetzt gewesen, was solche Angriffe, wenn nicht unmöglich so doch außerordentlich verlustreich gemacht hätten. Andererseits mussten die Verteidiger bei einem Verlust des Brückenkopfes eine gefährliche Beschießung vom Südufer gewärtigen. Die teilweise schon sehr dicht bebaute Stadt wäre dann auch in die Reichweite gegnerischer Mörser geraten, deren Explosivgeschosse die Entstehung von Bränden befürchten ließ.
Daher war es nur konsequent, die Tränktor-Kontergarde um die „Schloß-Kontergarde" zu erweitern, die zunächst nach Osten bis an die Donau führte und dann nahezu rechtwinklig gebrochen bis an das Südufer der Schutter etwa in Höhe des südwestlichen Turmes vom Komplex des Neuen Schlosses reichte.

Brückenkopf
Der Brückenkopf bestand aus einem vergrößerten und verbesserten Hornwerk, in welchem sich die sogenannte „Hornwerk-Lünette" befand. Auch sie wäre besser als eine unregelmäßige Flesche zu bezeichnen, und sie hatte den Charakter eines Reduits, denn hier sollten die Verteidiger ein letztes Mal Widerstand leisten, bevor der Brückenkopf und die Brücke endgültig verloren gingen.